3. ADVENT

15. 12. 2013

Lesungen: Jes 35,1-6a.10 / Mt 11,2-11

Gedanken zu den Lesungen

„Das hat keine Zukunft!“ - „Zukunft haben“ ist in unserem heutigen Empfingen das Kriterium dafür, ob etwas Sinn hat oder nicht. Das gilt für ein Unternehmen, für Bildung, für das persönliche Leben. Es gibt Menschen, die in tiefster Armut leben, ohne Hoffnung aus dieser Situation herauszukommen. Sie haben keine Zukunft. Ist es schlussendlich nicht der tiefste Grund unserer Lebensangst, keine Zukunft zu haben?

Menschen haben immer wieder eine bessere Zukunft erwartet, schon in alttestamentlichen Zeiten, auch zur Zeit Jesu. Sie haben auf eine bessere Zukunft gehofft, die Gott durch einen Retter, einen Messias, einen Heilbringer herbeiführen würde. Diese Erwartung, diese Hoffnung, spricht z.B. der Prophet Jesaja an (auf den übrigens Jesus oft zurückgreift): „Das wüste und das trockene Land (d.h. der Mensch in Elend und Not) soll sich freuen. Die Steppe wird wieder blühen.“ Diese Bilder erinnern mich an eine Erfahrung, die wir auf einer Pfarrreise in Israel machten. An einem Nachmittag fuhren wir von Jericho durch die Wüste hinauf nach Jerusalem: Alles trockenes, staubiges Land. In der Nacht gab es ein Gewitter mit starkem Regen. Und als wir dann von Jerusalem zurück durch die Wüste fuhren, war es, als ob ein Wunder geschehen war: Über den Hügeln gab es einen grünen Schimmer. Durch den Regen war wieder Gras gekeimt. In einer Nacht hat die Wüste angefangen zu blühen. Leben hat sich durchgesetzt.

Diese Bild verwendet jetzt Jesaja, um dem Volk zu sagen: „Habt Mut, fürchtet euch nicht. Seht, Gott ist da und lässt euch nicht im Stich. Er wird euch retten. Der gebrochene Mensch kann durch Gottes Wirken wieder zur Blüte kommen. Der orientierungslose Mensch, der nicht mehr sehen, hören, gehen und reden kann, wird von Gott zu einem Sinn-erfüllten Leben zurückgeführt.

Genau das Gleiche sagt Jesus dem Johannes, der im Gefängnis sitzt, und der, weil er sich mit Jesus nicht mehr auskennt, fragen lässt: „Bist du derjenige, den wir erwarten?“ - „Schau auf mein Leben, schau auf meine Taten: Ich heile Blinde, Lahme, Taube... Ich gebe ihnen neues Leben, eine Zukunft!“ Die Visionen des Jesaja werden mit Jesus Wirklichkeit: Wie das Wirken Gottes im Fruchtbarwerden der Wüste sichtbar wird, so wird auch in und durch Jesus deutlich, dass Gott handelt, heilend im Leben der Menschen wirkt. Die Botschaft von Jesus an uns lautet: „Gott lässt dich nicht fallen, wenn du dein ganzes Leben auf ihn baust und dich voll Vertrauen in seine Hand begibst.“ Eine Botschaft, die Mut machen will!

Und das unterscheidet Jesus auch von Johannes, der verkündet, dass bald das endgültige Strafgericht hereinbrechen wird: Gott wird die Spreu vom Weizen trennen... und die Spreu wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Jesus verlegt den Schwerpunkt auf die Güte Gottes, die Vergebung des Vaters, das Reich Gottes. Gott, der an mir, der an jedem Einzelnen von uns Interesse hat, der mit uns in Beziehung tritt, und der in der Lage ist, meinem und deinem Leben Sinn und Ausrichtung zu schenken. Das ist eine frohe und befreiende Botschaft, die aufrichtet, Zuversicht, Leben schenkt. Mit Jesus ist neue Hoffnung in die Welt gekommen.

Heutzutage behauptet fast jeder, dass er an Gott glaubt, „denn irgend so ein höheres Wesen muss es ja geben! Der ist aber weit weg im Himmel, und hier auf der Erde müssen wir selbst schauen, wie wir klar kommen!“ Das ist eine Lebensphilosophie, eine Gottesvorstellung, die weit weg ist von dem, was Jesus hier über Gott sagt. An Gott glauben, ein tiefes Vertrauen zu ihm haben, gerade in dürren Zeiten, wo alles hoffnungslos, grau und vertrocknet aussieht, leer zu sein scheint .. das hat Zukunft! Erlöst, befreit, von einer tiefen Existenzangst!

„Man wird sehen, wie gut es Gott mit uns meint. Allen, die keinen Mut mehr haben und nicht sehen, wie es weitergehen soll, dürft ihr sagen: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Euer Gott ist da und lässt euch nicht im Stich.“

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